Was will ich eigentlich vom Leben? Die Big Five for Life für Mütter
Aktualisiert: vor 10 Stunden
Was will ich eigentlich vom Leben? Das ist eine große Frage, fast zu groß für einen ganz normalen Dienstag zwischen Schulmail und Abendessen.
Mich hat sie einmal wieder auf einer Reise eingeholt, diesen Sommer in Südafrika.
Das beeindruckendste, einmaligste und einschneidendste Erlebnis der letzten Zeit. 2,5 Wochen haben wir zu viert auf Safari und in wilder Natur verbracht.
Die Big Five auf Safari: Elefant, Leopard, Löwe, Büffel und Nashorn
Großes Thema aller Safarireisenden sind ja die „Big Five“, also die berühmten Tiere im Busch, die man gesehen haben muss: Elefant, Leopard, Löwe, Büffel und Nashorn.
Die Bezeichnung „Big Five“ stammt noch aus Zeiten der Großwildjagd, als diese fünf Tiere als besonders schwierig und gefährlich zu jagen galten. Glücklicherweise haben sich die Zeiten geändert ...
Und ja: Wir haben tatsächlich innerhalb von 2 Tagen alle Big Five gesehen, was ziemlich großartig war und wozu auch einiges an Glück gehört, wie wir uns haben sagen lassen. Dennoch möchte ich an dieser Stelle auch einmal eine Lanze für alle anderen Tiere brechen. Zebras, Giraffen, Gnus, Affen sind mindestens genauso großartig.
Big Five for Life: Was möchte ich von meinem Leben?
Doch die Big Five bringen mich noch zu einem anderen Gedanken.
John Strelecky hat das Buch „The Big Five for Life“ geschrieben. Darin geht es, vereinfacht gesagt, um die fünf Dinge, die wir in unserem Leben unbedingt tun, sehen oder erleben möchten.
Diese Frage möchte ich heute für Dich aufgreifen:
Was sind eigentlich meine Big Five?
Nicht: Was müsste ich noch erledigen? Nicht: Was wäre vernünftig? Nicht: Was gehört sich in meinem Alter noch? Und auch nicht: Was müsste man als gute Mutter / Vater, Partner:in, Freund:in und überhaupt halbwegs erfolgreicher Mensch noch alles schaffen?
Sondern: Was möchte ich von meinem Leben?
Warum ist die Frage nach den eigenen Lebenszielen so schwer?
Ich finde diese Frage erstaunlich schwer. Vielleicht, weil wir es im Alltag einfach gewohnt sind, uns mit anderen Fragen beschäftigt zu halten:
Habe ich die Schulmail beantwortet? Ist noch Milch da? Wann ist der nächste Zahnarzttermin?Wie läuft es beruflich? Sollte ich nicht mal wieder Sport machen? Wann wurden eigentlich zuletzt die Handtücher gewechselt?
So entstehen ziemlich unauffällig sehr lange, niemals enden wollende To-do-Listen. Und weil wir viele Dinge davon so zuverlässig und automatisiert erledigen, fällt es manchmal gar nicht auf.
Lies dazu auch meinen Blogartikel „Mental Load – die unsichtbare Last und wie Du sie reduzierst“
Was mir Südafrika über unsere Ansprüche an uns selbst gezeigt hat
In Südafrika ist mir noch etwas anderes begegnet, das mich beschäftigt.
Wir haben Menschen kennengelernt und erlebt, die unter völlig anderen Bedingungen leben als wir. Wir sind an Townships vorbeigefahren und haben ein Land gesehen, in dem Wohlstand und Armut teilweise nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen. Und ich habe die Menschen als offen, freundlich und lebenszugewandt erlebt.
Damit möchte ich nichts verklären. Armut ist nicht romantisch. Ein Lächeln erzählt uns nicht, wie leicht oder schwer das Leben eines Menschen tatsächlich ist. Und natürlich kann und will ich nach einer 2,5-wöchigen Reise nicht beurteilen, wie es sich anfühlt, dort jeden Tag zu leben.
Gleichzeitig lenken solche Begegnungen und Beobachtungen den Blick schnell auf das eigene Leben zurück. Vor allem auf das, was wir haben und wofür wir dankbar sein können. Und auf das, was wir trotzdem häufig glauben, noch haben, schaffen, verbessern oder optimieren zu müssen.
Mir wurde wieder einmal sehr deutlich bewusst, in welch unglaublichem Wohlstand wir leben. Und gleichzeitig sind unsere Ansprüche an uns selbst oft bemerkenswert hoch.
Unsere Kinder sollen gute Noten haben, selbstständig sein, sozial kompetent, sportlich, ausgeglichen und am besten noch ihr Instrument freiwillig üben. Wir möchten beruflich etwas erreichen und gleichzeitig viel Zeit für unsere Familie haben. Wir möchten gesund kochen, uns bewegen, Freundschaften pflegen, eine gute Partnerschaft führen, geduldig mit unseren Kindern sprechen, den Haushalt einigermaßen im Griff haben und selbstverständlich auch noch auf unsere eigenen Bedürfnisse achten.
Das Ganze möglichst entspannt.
Beim Aufschreiben wird mir jetzt schon ganz schwindelig ...
Lies dazu auch meinen Blogartikel „Weniger ist mehr – meine wichtigste Erkenntnis für den Mama-Alltag“
Gut organisiert oder gut gelebt?
Und jetzt kommen wir wieder zu den Big Five:
Wie viel von dem, was wir jeden Tag so wichtig nehmen, ist uns eigentlich wirklich wichtig?Und wie viel davon machen wir, weil man es eben so macht? Weil wir glauben, es werde von uns erwartet?Weil alle anderen es scheinbar auch schaffen? Weil wir irgendwann begonnen haben, ein gutes Leben mit einem gut organisierten Leben zu verwechseln?
Ein gut organisiertes Leben ist zweifellos hilfreich. Frag jede Mutter an einem Montagmorgen um 7.12 Uhr, wenn ein Kind verkündet, dass es heute einen Schuhkarton, drei Kastanien und ein Passfoto braucht.
Aber Organisation ist eben nicht dasselbe wie Orientierung. Ab und an braucht es einen Moment, in dem wir uns nicht fragen, was als Nächstes dran ist, sondern wohin wir eigentlich wollen.
Übung: So findest Du Deine Big Five for Life
Nun habe ich abschließend noch eine kleine Aufgabe für Dich.
Nimm Dir irgendwann in den nächsten Tagen ein Blatt Papier und schreibe oben drauf:
Meine Big Five for Life
Und dann schau mal, was kommt.
Vielleicht willst Du mal ein bestimmtes Land sehen. Vielleicht möchtest Du einmal mit Deinen erwachsenen Kindern an einem großen Tisch sitzen und denken: Schön, dass sie gerne nach Hause kommen. Vielleicht möchtest Du öfter nein sagen. Mehr Zeit in der Natur verbringen. Etwas lernen, was überhaupt keinen vernünftigen Nutzen hat. Oder schlicht ein Leben führen, in dem nicht jeder freie Platz sofort wieder mit einer Aufgabe gefüllt wird.
Es müssen keine spektakulären Dinge sein. In den wenigsten Momenten ist das Leben so spektakulär, dass an einem Mittwochabend ein Elefant an Deinem Fenster vorbeispaziert.
Die Frage, die Du Dir stellen darfst, lautet eher: Passen meine Mittwochabende zu dem Leben, das ich leben möchte?
Die Big Five müssen übrigens nicht innerhalb von 2 Tagen gefunden werden ;-)
Häufige Fragen
Was bedeutet „Big Five for Life“?
Der Begriff stammt aus dem Buch „The Big Five for Life“ von John Strelecky (siehe oben). Gemeint sind die fünf Dinge, die Du in Deinem Leben unbedingt tun, sehen oder erleben möchtest. Es geht dabei um Deine eigenen Wünsche. Eine weitere Liste mit Pflichten wird daraus nicht.
Wie finde ich heraus, was ich vom Leben will, wenn ich im Alltag nur funktioniere?
Fang klein an. Ein Blatt Papier und zehn ruhige Minuten reichen für den Anfang. Achte auch in den nächsten Tagen darauf, wann Du Dich lebendig fühlst und wann Du nur abarbeitest. Diese Momente verraten oft mehr als jede lange Überlegung.
Ist es egoistisch, als Mutter eigene Lebensziele zu haben?
Nein. Deine Kinder lernen weniger aus dem, was Du ihnen sagst, als aus dem, was Du ihnen vorlebst. Wenn Du Dir erlaubst, Deine eigenen Wünsche ernst zu nehmen, sehen sie: Das darf man.
Was, wenn mir gar nichts einfällt?
Das ist häufiger, als Du denkst und kein Grund zur Sorge. Oft zeigt es nur, wie lange im Alltag kein Platz für diese Frage war. Lass das Blatt ein paar Tage liegen und schau wieder drauf. Manchmal hilft auch ein Gespräch mit jemandem, der gute Fragen stellt.
Deine Big Five dürfen wachsen
Ein gut organisiertes Leben bringt Dich gut durch den Montagmorgen. Wohin Du eigentlich willst, verrät es Dir nicht. Dafür braucht es ab und an eine andere Frage: Was möchte ich von meinem Leben?
Wenn Du magst, erzähl mir, was auf Deiner Liste steht. Ich bin wirklich sehr neugierig.
Und falls Du beim Schreiben merkst, dass Dir die Frage schwerer fällt als gedacht, oder dass Dich die Liste eher unruhig als froh macht: Lass uns gemeinsam hinschauen. In meinem kostenlosen 30-minütigen Kennenlerngespräch schauen wir, wo Du gerade stehst und was Du brauchst.
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