Ständig abgelenkt als Mutter? Was ich von einem Leoparden gelernt habe
Fühlst Du Dich als Mutter auch ständig abgelenkt? Von Nachrichten, Fragen, Terminen und all den Dingen, die gleichzeitig erledigt werden wollen? Dann nehme ich Dich heute nochmal mit nach Südafrika. Dort hat mir ausgerechnet ein Leopard gezeigt, wie es anders gehen könnte.
Auf unserer Safari habe ich alle Big Five gesehen und bin mit ziemlich vielen Gedanken nach Hause gekommen.
Über die Big Five und was sie mit unseren eigenen Lebenszielen zu tun haben, habe ich im letzten Blogartikel geschrieben: „Was will ich eigentlich vom Leben? Die Big Five for Life für Mütter“
Eine Beobachtung möchte ich heute mit Dir teilen.
Eine Beobachtung auf Safari: Die Tiere lassen sich nicht stören
Mich hat sehr erstaunt, wie wenig sich die Tiere für uns interessiert haben. Stehen da doch schon mal mehrere Safariwägen mit laufenden Motoren, Menschen mit gezückten Kameras, es wird geflüstert, fotografiert und gelegentlich ziemlich aufgeregt herumgefuchtelt.
Fußend auf meinen Tierbeobachtungs-Erfahrungen und Kenntnissen, die sich eher auf den deutschen Wald erstrecken, würde ich sagen, dass ein Reh doch sofort wegläuft, wenn es Menschen wittert.
Und die Tiere im Busch? Sind in dieser Hinsicht völlig unbeeindruckt.
Löwen dösten, Elefanten fraßen, und ein Leopard war offensichtlich gerade dabei, seine Jagd auf eine Impala-Herde vorzubereiten.
Irgendwann fragten wir unseren Ranger, ob die Tiere das denn gar nicht störe, wenn wir mit unserem Auto so nah heranfuhren. Seine Antwort war sinngemäß: Wenn der Leopard jetzt jagen will, dann jagt er. Egal, ob hier ein Auto steht oder hundert.
Natürlich kommt hinzu, dass die Tiere auch an die Safarifahrzeuge gewöhnt sind und gelernt haben, dass von ihnen normalerweise keine Gefahr ausgeht.
Trotzdem hat mich diese Beobachtung beschäftigt. Einfach zu jagen, weil man gerade jagen will und sich von nichts anderem aus dem Konzept bringen lassen.
Klingt doch traumhaft, oder?
„The leopard does what he does“ wurde zu einer Art geflügeltem Wort in diesem Urlaub.
„Mom does what she does“: Wie gut gelingt Dir das?
Und immer öfter, gerade jetzt, zurück im ganz normalen Familienalltag, muss ich daran denken.
Stell Dir mal vor, wir Mütter würden das genauso machen. Uns nicht von jeder „Kleinigkeit“ aus dem Konzept bringen lassen, sondern einfach bei dem bleiben, was wir gerade tun.
„Mom does what she does.“
Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie gut klappt das bei Dir? Bei mir so 4 ;-)
Warum wir im Familienalltag ständig abgelenkt sind
Wir alle kennen es: Termine, Aufgaben, Nachrichten, Fragen und Dinge, die gleichzeitig erledigt werden wollen.
Und sind wir noch so gut organisiert, mit To-do-Listen, fein säuberlich nach Prioritäten sortiert, synchronisierten Familienkalendern und jeder Menge anderer organisatorischer Raffinessen: Da ploppt die nächste Nachricht in der WhatsApp-Elterngruppe auf und eine harmlose Frage nach den Hausaufgaben entwickelt sich innerhalb weniger Minuten zu einer Grundsatzdiskussion. Eigentlich wolltest Du doch nur kurz nachsehen, ob etwas Wichtiges dabei ist. Dann fällt Dir siedendheiß ein, dass ja morgen der Kindergeburtstag der besten Freundin Deiner Tochter ist und Ihr noch ein Geburtstagsgeschenk besorgen müsst. Also schnell online schauen. Dabei entdeckst Du, dass H&M nur noch heute versandkostenfrei liefert (Schwaben wie ich haben dann tatsächlich keinen Handlungsspielraum mehr ;-) und Dein Sohn doch dringend neue Sportklamotten braucht. Und wenn Du schon dabei bist, könntest Du doch gleich noch ...
So ist plötzlich eine Stunde vergangen, Du hast zwölf neue Dinge im Kopf und ganz schnell war’s das dann auch mit „Mom does what she does“.
Warum so viel gleichzeitig im Kopf mitläuft, beschreibe ich auch im Blogartikel „Mental Load – die unsichtbare Last und wie Du sie reduzierst“
Nicht alles, was unsere Aufmerksamkeit fordert, braucht sie sofort
Das Interessante ist ja, dass Dich niemand gezwungen hat, sofort auf die WhatsApp-Nachricht zu reagieren, nach dem Geschenk zu suchen oder die Sportklamotten zu bestellen.
Du hast es einfach getan. Es ist eben gerade aufgetaucht, es musste ja erledigt werden oder Du hättest sonst das Gefühl, es wieder zu vergessen.
Und schon hat sich Deine Aufmerksamkeit verschoben. Weg von dem, was Du eigentlich gerade tun wolltest. Hin zu etwas, das sich für einen kurzen Moment wichtiger angefühlt hat.
Gerade im Familienalltag sind wir ziemlich geübt darin, den Überblick zu behalten, auf Bedürfnisse zu reagieren, zu organisieren und vorauszudenken.
Doch nicht alles, was unsere Aufmerksamkeit fordert, braucht sie auch sofort.
Zurück zu unserem Leoparden. Ja, ich weiß, der hat halt nicht so viele Termine wie Du, der hat vermutlich auch kein Handy, das ständig piept, oder braucht neue Sportklamotten.
Ich finde den Vergleich trotzdem gut: Der Leopard nimmt wahr, was um ihn herum passiert. Aber nicht jeder Reiz verlangt seine Aufmerksamkeit oder gar eine Reaktion. Er bleibt bei dem, was für ihn gerade zählt.
Mehr Fokus im Familienalltag: Was ist gerade wirklich wichtig?
Gerade auch im Familienalltag sind wir wahnsinnig vielen Reizen und Unterbrechungen ausgesetzt und es geht nicht um bessere Organisation, effizienteres Abarbeiten der To-dos etc.
Es geht vielmehr darum, bewusster zu entscheiden: Was ist gerade wirklich wichtig? Was braucht mich jetzt? Und was kann auch noch eine Stunde oder gar einen ganzen Tag warten?
Natürlich lässt sich nicht alles ausblenden. Es gibt Situationen, die verlangen, dass wir sofort reagieren und handeln. Von denen spreche ich nicht.
Ich meine zum Beispiel das Gespräch mit einer Freundin, das Du zu Ende führst und Dich dabei nicht von Deinem Kind unterbrechen lässt. Oder die Pause, die Du Dir heute für eine halbe Stunde nimmst, ohne dass Du dabei 8 Mal aufs Handy schaust, ob eine wichtige Nachricht reingekommen ist.
Denn Fokus bedeutet nicht nur, Dinge erledigt zu bekommen. Sondern auch, dem, was wir gerade tun, unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken.
Ein paar kleine Leoparden-Strategien für den Alltag
Diese Dinge helfen mir selbst dabei, mich beser zu fokussieren. An guten Tagen komme ich damit immerhin auf 6 von 10 ;-)
Einfälle parken: Neben Dir liegt ein Zettel oder eine Notiz-App ist offen. Was Dir zwischendurch einfällt, das Geburtstagsgeschenk etwa, wandert dorthin. Damit ist die Sorge, es zu vergessen, versorgt und Du kannst bei Deiner Sache bleiben.
Die Elterngruppe stumm schalten und zu zwei festen Zeiten am Tag hineinschauen. Was wirklich dringend ist, erreicht Dich in aller Regel auch auf anderem Weg.
Vor dem Reagieren kurz innehalten und Dich fragen: Braucht mich das jetzt?
Das Handy in einen anderen Raum legen, wenn Du mit Deinem Kind sprichst, isst oder Pause machst.
Häufige Fragen
Warum bin ich als Mutter ständig abgelenkt?
Weil im Familienalltag sehr viel gleichzeitig auf Dich einströmt und Du gleichzeitig vieles im Kopf behältst, was noch zu tun ist. Jede neue Nachricht trifft auf diese vielen offenen Gedanken und will sofort einsortiert werden. Mit mangelnder Disziplin hat das wenig zu tun.
Wie kann ich mich im Familienalltag besser konzentrieren?
Fang mit einer einzigen Situation an, zum Beispiel einer Pause oder einem Gespräch, in dem das Handy wegbleibt. Leg Dir einen Ort zurecht, an dem Du Einfälle parken kannst. Und frag Dich bei jeder Unterbrechung kurz, ob sie Dich wirklich jetzt braucht.
Muss ich in der WhatsApp-Elterngruppe sofort antworten?
Nein. Die allermeisten Nachrichten dort vertragen problemlos ein paar Stunden Wartezeit. Wenn Du feste Zeiten zum Lesen hast, verpasst Du in der Regel nichts und sparst Dir viele Grundsatzdiskussionen.
Hilft eine bessere Organisation gegen das ständige Abgelenktsein?
Nur begrenzt. Auch die beste To-do-Liste schützt Dich nicht vor der nächsten Nachricht. Hilfreicher ist die bewusste Entscheidung, worauf Du Deine Aufmerksamkeit gerade richtest und was warten darf.
The leopard does what he does
Wenn Du das nächste Mal merkst, dass Dich eine Kleinigkeit aus dem Konzept bringen will, denk an den Leoparden. Er nimmt alles wahr und bleibt trotzdem bei seiner Sache.
The leopard does what he does.
Und falls es mit der Beratung mal nicht mehr so laufen sollte, sehe ich schon eine kleine Kollektion von Kissen und T-Shirts mit diesem Spruch vor mir ;-)
Und falls Du merkst, dass Du auf der Skala eher bei 2 als bei 4 stehst und Dein Kopf einfach nicht mehr zur Ruhe kommt: Lass uns gemeinsam hinschauen, was Dich gerade so sehr in Anspruch nimmt.
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