top of page

Sorgen loslassen als Mutter: Was Sorglosigkeit wirklich bedeutet

  • vor 2 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

In meinem Kopf spukt seit einigen Tagen ein Wort herum.

Es ist ein schönes Wort, finde ich, fast ein bisschen altmodisch und ich denke dabei an Sommer – Kirschen – Freibad.


Das Wort: Sorglosigkeit


Und ich denke darüber nach, wieviel Sorglosigkeit gerade in meinem Leben, aber auch im Leben meiner Freund*innen, Familie, Platz hat. Für das Sommer-Kirschen-Freibad-Gefühl?

Hm – gegen Kirschen bin ich mittlerweile allergisch, im Freibad ist es mir meistens zu voll und die Pommes dort werden auch immer teurer. Und der Sommer? Ja, den Sommer liebe ich!Aber was, wenn es jetzt dauerhaft so heiß bleibt? Oder nach der Hitze nur noch Regen kommt? Und was, wenn es an meinem Geburtstag regnet?

Ich werde in Kürze 50 und hätte da gefälligst gern Sonne. Und 50: das ist jetzt wirklich nicht mehr nur Sommer-Kirschen-Freibad... Vielleicht auch ein Grund, sich Sorgen zu machen?


Longevity, Hormontracking, richtiges Atmen, gesunde Ernährung, Krafttraining, Schlafoptimierung, Anti-Aging, Blutzucker, Darmgesundheit, Nervensystemregulation – diese Themen werden uns momentan nur so um die Ohren gehauen. Manches davon ist wahrscheinlich wichtig.

Gleichzeitig ertappe ich mich bei der Frage: Ist das noch Gesundheit? Oder sind das all unsere Ängste und Sorgen schön gebündelt und verpackt in teurer Funktionskleidung und Ausrüstung?


Wir leben in einer Zeit, die uns beibringt, uns um alles zu kümmern. Um unsere Kinder sowieso. Um deren Schullaufbahn, Freundschaften, Medienzeiten, Zukunft, Selbstwert, Sozialverhalten und die Frage, ob sie jemals freiwillig eine Jacke anziehen werden. Aber auch um uns.

Atmen wir richtig, altern wir gesund, essen wir entzündungsarm genug? Sind die Hormone im Gleichgewicht, das Nervensystem reguliert, die Zone-2-Einheiten erledigt?

Und wenn nicht: Was sagt das jetzt über uns als Mensch? Man kommt ja kaum noch dazu, einfach nur "falsch" auf dem Sofa zu sitzen.


Echte Sorgen – und die andere Art

Was wäre, wenn Sorglosigkeit eine völlig unterschätzte Eigenschaft ist? Nicht im Sinne von Gleichgültigkeit. Nicht im Sinne von „Augen zu und durch". Und schon gar nicht im Sinne von: Die Welt ist wunderbar, wenn man nur genügend Duftkerzen anzündet. Das meine ich nicht.


Es gibt Sorgen, die sind real. Diagnosen, Schicksalsschläge, Geldfragen, Trennungen, Kinder, die leiden, Eltern, die alt werden, Nächte, in denen man wach liegt und merkt: Das Leben kann einem manchmal einen ganz schönen Strich durch die Rechnung machen und alle Kräfte von uns fordern. Das alles gehört nicht unter den Tisch.


Aber es gibt eben auch diese andere Art von Sorge. Die Sorge, die nichts löst, aber sehr beschäftigt aussieht. Wird aus meinem Kind etwas? Was, wenn es auf die „schiefe Bahn" gerät? Wird sich auf meiner Geburtstagsfeier jeder wohlfühlen? Was, wenn das Wetter schlecht wird? Was, wenn ich meinen Job verliere? Was, wenn ich im Alter nicht fit genug bin? Habe ich bisher überhaupt genug aus meinem Leben gemacht?


Und ja, da ist man plötzlich 50 und Sommer-Kirschen-Freibad ist Jahrzehnte her und den Sinn des Lebens hat man immer noch nicht gefunden.


Wenn neuer Freiraum sofort wieder voll wird

Dabei gäbe es doch wieder Raum, denn die Kinder werden größer und brauchen uns nicht mehr ständig auf dieselbe Weise.


Es entsteht wieder mehr Raum und Zeit für anderes. Eigentlich genau das, wofür das Freibad-Gefühl früher stand: diese Leichtigkeit, wenn nichts dringend ist.


Und was passiert mit diesem neuen Raum, wenn wir nicht aufpassen? Schwuppdiwupp ist er schon wieder eingerichtet mit allerlei Gedanken und Grübeleien. Über alles. Über früher. Über später. Über den eigenen Körper. Über die Beziehung. Über Arbeit. Über Sinn. Über die Frage, wer man eigentlich ist, wenn gerade niemand ruft: „Mama, wo ist mein schwarzes T-Shirt?"

Und da sind sie gleich wieder – die neuen Sorgen mit Namen wie Selbstverwirklichung, Gesundheitsvorsorge, Persönlichkeitsentwicklung oder Prävention. Alles gute Dinge. Und doch machen sie sich manchmal plötzlich allzusehr breit. Dann optimieren wir nicht mehr aus Freude, sondern aus Angst. Dann lesen wir nicht mehr, weil uns etwas interessiert, sondern weil wir glauben, sonst etwas falsch zu machen. Dann kümmern wir uns nicht mehr um uns, sondern gegen uns – gegen das Älterwerden, gegen Unsicherheit, gegen die leise Ahnung, dass sich das Leben eben nicht vollständig absichern lässt.


Sorgen loslassen als Mutter: Sorglosigkeit als innere Haltung

Vielleicht ist Sorglosigkeit deshalb nicht oberflächlich, sondern eine Form von innerer Freiheit. Nämlich die Fähigkeit, zu sagen:


Ich tue, was ich tun kann. Und den Rest lasse ich in Ruhe.

Denn Sorgen vermitteln uns ja das Gefühl, etwas zu tun. Wer sich sorgt, wirkt verantwortlich. Wer nachts wach liegt, hat die Lage immerhin im Blick. Nur leider wird die Präsentation davon nicht fertiger. Das Kind nicht automatisch glücklicher. Das Wetter nicht besser. Und das Älterwerden nicht abgesagt. Manchmal kostet Sorge einfach nur Zeit. Zeit, in der wir hätten spazieren gehen können. Oder nichts tun. Oder mit unserem Kind im Auto sitzen und ausnahmsweise nicht pädagogisch wertvoll nachfragen. Oder einen Kaffee trinken, ohne dabei nebenbei den Vitamin-D-Spiegel der gesamten Familie innerlich zu verwalten. Oder ... oder...oder was Fachleute Mental Load nennen...


Und eines ist mir wichtig:


Sorglosigkeit bedeutet nicht, dass einem alles egal ist. Sie bedeutet eher: Ich muss mich nicht mit allem beschäftigen, nur weil ich es könnte.

Ich muss nicht jede Entwicklung verfolgen, nicht jede Methode ausprobieren, nicht jedes Risiko gedanklich vor-erleben. Und nicht jede Zukunftsvariante schon einmal emotional durchstehen, bevor sie überhaupt passiert ist.


„Mir wird schon etwas einfallen" – Selbstvertrauen ohne Kontrolle

Ich weiß, dieser Satz hat keinen guten Ruf. Er klingt ein bisschen nach Menschen, die Rechnungen in Schubladen legen oder kurz vor Abfahrt noch nicht gepackt haben. Das will niemand so richtig, gell!?

Aber vielleicht steckt darin auch etwas sehr Gesundes. Ein Vertrauen ins eigene Vermögen. In Erfahrung. In Improvisation. In das Leben, das selten exakt nach Plan läuft und eben einfach weitergeht.


Oder der andere Satz: Mir wird schon etwas einfallen.

Nicht im Sinne von: Ich weiß jetzt schon alles. Und auch nicht: Ich habe alles im Griff.

Sondern: Wenn es soweit ist, werde ich da sein. Mit dem, was ich dann weiß. Mit dem, was ich dann kann. Und vermutlich mit einer halbwegs brauchbaren Idee.

Das ist keine Naivität. Das ist Selbstvertrauen ohne großes Getöse. Vielleicht könnten wir unseren Kindern davon mehr mitgeben als von einem perfekt ausgefüllten Wochenplan. Dass man sich kümmern kann, ohne sich zu verzehren. Dass man Verantwortung übernehmen kann, ohne alles kontrollieren zu müssen. Dass man älter werden darf, ohne daraus ein Projekt mit Quartalszielen zu machen. Und vielleicht auch: Dass das Leben nicht erst dann gelingt, wenn niemand mehr Grund zur Sorge hat.

Denn diesen Zustand gibt es nicht. Es wird immer etwas geben. Eine Klassenarbeit, eine Diagnose, eine Rechnung. Einen Wetterbericht, mit dem man hadert.


Sorglosigkeit beginnt nicht damit, dass alles gut ist. Sie beginnt mit dem inneren Entschluss, nicht mehr alles vorab zu fürchten.

Und hey: Mir wird schon was einfallen, wenn es an meinem Geburtstag regnet! ;-)



Ich begleite Mütter, die eigentlich wissen, dass sie loslassen könnten – und trotzdem nicht so recht wissen, wo sie anfangen sollen.

Wenn Du das kennst: Meld Dich gern. Das Kennenlerngespräch ist kostenlos und unverbindlich. [→ Termin buchen]



Mutter sitzt entspannt im Sommer – Sorgen loslassen als Mutter, Sorglosigkeit als innere Freiheit

 
 
bottom of page