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Wut bei Kindern: Warum sie wichtig ist und wie Du sie als Mutter sicher begleitest

  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Wenn Dein Kind wütend ist und Du innerlich mitkochst

Vielleicht kennst Du das:

Dein Kind knallt die Tür. Diskutiert endlos. Schreit Dich an. Oder zieht sich komplett zurück.

Und während Du versuchst, ruhig zu bleiben, merkst Du: Es triggert Dich.


Viele Eltern fragen sich dann:

  • Warum ist mein Kind ständig wütend?

  • Mache ich etwas falsch?

  • Soll ich härter durchgreifen?

  • Oder mehr Verständnis zeigen?


Wut bei Kindern oder wiederkehrende Wutanfälle fühlen sich oft anstrengend, laut und grenzüberschreitend an. Und trotzdem ist Wut kein Problem. Sie ist ein Signal.


Wut ist nicht negativ. Wut ist wichtig.

Ich lese – auch in Fachliteratur – immer wieder von „positiven“ und „negativen“ Gefühlen. Diese Einteilung ist fehl am Platz, denn bei Gefühlen geht es nicht darum, sie zu bewerten oder gar in "gut" und "böse" einzuteilen.


Egal ob Wut, Freude, Trauer, Enttäuschung oder Euphorie: Alle Gefühle sind gleich wichtig. Sie sind unser innerer Kompass und unsere Wegweiser zu dem, was wir brauchen. Wut zeigt oft: Hier stimmt etwas nicht.

Wut bei Kindern verstehen: Was steckt dahinter?

Wut bei Kindern (und auch bei uns Erwachsenen) ist häufig ein Hinweis auf:

  • verletzte Grenzen

  • erlebte Ungerechtigkeit

  • Überforderung

  • das Gefühl, nicht gesehen zu werden

  • Machtlosigkeit


Gerade bei Schulkindern zeigt sich Wut oft anders als im Kleinkindalter.

Weniger "Sich-auf-den-Boden-werfen". Mehr Türenknallen. Mehr Widerstand. Mehr Diskussionen. Mehr Rückzug.

Das bedeutet nicht, dass etwas „schiefläuft“. Es bedeutet: Dein Kind entwickelt sich.

Wut drückt Gedanken und Bedürfnisse aus wie: „Ich fühle mich ungerecht behandelt“, „Ich werde nicht gesehen", „Meine Grenze ist erreicht“, „Ich bin machtlos.“


Warum Wut uns als Mütter oft besonders triggert

Leider sind wir (fast alle) so sozialisiert, dass wir Wut eher verurteilen als verstehen.


Besonders bei Mädchen und Frauen gilt oft:

  • Sei lieb

  • Sei angepasst

  • Sei nicht so laut

  • Sei nicht so fordernd


Viele Frauen tragen diese Botschaften bis heute in sich. Wut wird nicht als Signal verstanden, sondern als etwas, wofür man sich schämen muss. So passiert es immer noch sehr oft, dass Frauen, die ihre Wut zeigen, bewertet werden als „zu viel“, „hysterisch“, „übertrieben“ oder „nicht normal“.


Gerade das Unterdrücken von Wut hat einen Preis, denn was wir dauerhaft wegdrücken, verschwindet nicht, sondern sammelt sich an und entlädt sich irgendwann. Nicht selten auf eine Weise, die uns selbst oder anderen schadet.

Deshalb ist es so wichtig, Wut nicht zu verbieten, sondern einen guten Ausdruck für sie zu finden, sowohl bei unseren Kindern als auch bei uns selbst.

 

Wut ist ein Motor: Denn wo wären wir gesellschaftlich ohne Wut?

Wo wären wir, wenn nicht Hunderttausende DDR-Bürger über die Ungerechtigkeiten ihres Regimes wütend gewesen und auf die Straße gegangen wären?

Wenn nicht Martin Luther King seiner Wut über die Rassentrennung in den USA Ausdruck verliehen hätte und bewundernswerterweise nicht zu Gewalt, sondern zu friedlichem Widerstand aufgerufen hätte?

Wo wären wir, wenn Frauen im 20. Jahrhundert nicht aufgestanden wären und für mehr Rechte gekämpft hätten?


Wut hat Bewegung gebracht. Wut hat Menschen mutig gemacht. Und genau da wird es spannend: Wut und Mut sind eng miteinander verknüpft. 

Umgang mit Wut bei Kindern: Gefühl erlauben – Verhalten begrenzen

Viele Eltern fragen sich: Wie gehe ich mit Wut bei meinem Kind richtig um? Soll ich sie stoppen? Ignorieren? Konsequenzen ankündigen? Mehr Grenzen setzen?


Wenn wir wollen, dass unsere Kinder später für sich einstehen, Grenzen spüren, einen gesunden Zugang zu ihren Gefühlen haben, Ungerechtigkeit erkennen, sich nicht klein machen, müssen wir ihnen Wut erlauben.


Wir dürfen unseren Kindern früh vermitteln:

  • Du darfst wütend sein

  • Deine Wut hat einen guten Grund 

  • Du bist auch dann liebenswert, wenn du wütend bist

  • Ich helfe dir, deine Wut so auszudrücken, dass niemand verletzt wird

Wut ist erlaubt. Verletzendes Verhalten nicht.

Diese Unterscheidung macht im Familienalltag vieles leichter.

Gefühle dürfen sein. Verhalten braucht Begleitung und Führung.


Gib Deinem Kind 2 Botschaften gleichzeitig mit:


1. Du bist okay

„Du bist gerade richtig wütend.“


2. Ich sorge für Sicherheit und die notwendigen Grenzen

„Und ich lasse nicht zu, dass du mich anschreist / haust / beschimpfst.“


Das ist kein Wegdrücken von Wut. Das ist Begleitung. Und wenn es Dir zu viel wird, darfst Du Dich schützen, z.B. ankündigen, dass Du jetzt kurz aus dem Raum gehst. Nicht als Strafe, sondern als Selbstfürsorge: „Stopp. Ich brauche kurz Abstand. Ich komme gleich wieder.“

So lernen Kinder etwas sehr Wichtiges: Ich darf wütend sein. Und andere dürfen Grenzen haben.


Fragen, die bei der Begleitung helfen:

  • Was will mir diese Wut zeigen?

  • Welche Grenze wurde gerade berührt?

  • Welches Bedürfnis steckt darunter?


Und wenn Dich Wut besonders triggert...

Dann lohnt sich ein Blick auf Deine eigene Geschichte.

Wut bei Kindern berührt oft Deine alten Prägungen, eigenen Erfahrungen und unbewusste Erwartungen.


Im 1:1 Coaching unterstütze ich Mütter von Schulkindern dabei,

  • ihre Haltung zu klären

  • Grenzen sicher zu setzen

  • Trigger zu verstehen

  • und im Familienalltag gelassener zu bleiben



Wenn wir Wut nicht verurteilen, sondern verstehen, erziehen wir weder brave, angepasste Kinder noch Kinder, deren Gefühle sich irgendwann unkontrolliert Bahn brechen.

Wir erziehen Kinder, die ihren inneren Kompass behalten und als Erwachsene ihre Wut so kanalisieren können, dass sie sich selbst und anderen nicht schadet.



Kind Wutanfall, Wut bei Kindern

Das Bild wurde mit KI erstellt


 
 
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