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Pubertät bei Kindern: Das Erwachen des Pubertiers

  • 25. März
  • 4 Min. Lesezeit

Es gibt einen Moment im Leben eines jeden Elternteils, den wir fürchten und der doch irgendwann unausweichlich ist:


Das Erwachen des Pubertiers.


Was wie der Titel eines billigen Horrorschockers anmutet, wird Realität. Dort, wo bisher noch ein süßes, kleines, flauschiges Tierchen gewohnt hat, wirst Du eines Morgens ein muffiges, bisweilen feindselig gestimmtes Wesen auffinden. 


Für viele Familien beginnt mit der Pubertät eine Phase, in der vertraute Abläufe plötzlich neu verhandelt werden.


Wenn die Pubertät beginnt, verändert sich plötzlich alles


Vielleicht hast Du bereits Vorkehrungen getroffen, vielleicht bist Du gänzlich unvorbereitet. Eines ist sicher: Alles, was bisher gut funktioniert hat, kann sich von einem auf den anderen Tag ändern.

Und vielleicht wirst Du Dich irgendwann gar nicht mehr trauen, irgendetwas zu sagen, irgendetwas nicht zu sagen oder gar zu atmen. 


Erschwerend hinzu kommt, dass jedes Pubertier anders ist und es nur wenige verlässliche Hinweise zur artgerechten Haltung gibt.


Jedes Pubertier ist anders – und genau das macht es herausfordernd


So gibt es Pubertiere, die mit Käfighaltung absolut glücklich sind, andere wiederum bevorzugen nur noch Freilandhaltung und sind abends schwer einzufangen.

Die Fressgewohnheiten können sich schlagartig ändern:

Viele Pubertiere  beginnen plötzlich, enorme Mengen Nahrung zu vertilgen, vorzugsweise nachts. Andere wiederum stellen ihre Ernährung komplett auf pflanzliche Kost um.

Auch in punkto Fellpflege gibt es große Unterschiede: Während die einen plötzlich sehr wasserscheu werden, verwenden andere Stunden mit dem Putzen ihres Fells und hinterlassen überall ihre Duftmarken.

Das Sozialverhalten verändert sich ebenfalls: War das Jungtier früher noch gerne im Familienrudel unterwegs, wird es nun zunehmend zum Einzelgänger oder sucht Anschluss an fremde Rudel. Viele Pubertiere verbringen einen Großteil ihrer Zeit in ihrem (häufig abgedunkelten) Bau und kommunizieren nur noch über kurze Laute wie „Hm“, „Keine Ahnung“ oder „Ist mir egal“.

Erstaunlich ist außerdem ihre Fähigkeit zur selektiven Wahrnehmung: Sätze wie „Räum bitte Dein Zimmer auf“ werden häufig überhört, während „Es gibt Essen“ selbst durch mehrere geschlossene Türen hindurch zuverlässig wahrgenommen wird.


Besonders bemerkenswert ist außerdem das Phänomen der plötzlich auftretenden elterlichen Inkompetenz. Viele Pubertiere gehen irgendwann davon aus, dass ihre Eltern innerhalb weniger Monate einen erheblichen Teil ihrer geistigen Fähigkeiten verloren haben und eher lebensuntüchtig geworden sind.


Wie Eltern in der Pubertät gelassen reagieren


Als passionierte Pubertierschützerin muss ich Dir absolut davon abraten, das Pubertier an der Autobahn auszusetzen. Auch wenn der Gedanke gelegentlich verständlich erscheint.


Wie in so vielen Lebenslagen empfehle ich, die neue Situation anzunehmen und sich mit ihr zu arrangieren. 

Und tatsächlich gibt es ein paar Dinge, die das Zusammenleben mit einem Pubertier deutlich erleichtern können.


Warum Jugendliche in der Pubertät plötzlich so reagieren


Zunächst einmal:

Auch wenn es sich manchmal anfühlt, als wäre über Nacht eine fremde Spezies eingezogen. Das Pubertier ist kein neues Tier. Es ist immer noch Dein Kind.


In der Pubertät finden die größten Umbaumaßnahmen unseres Lebens statt, sowohl im Außen als auch im Innen.

Der Körper verändert sich, das Gehirn baut sich komplett neu um, Gefühle werden intensiver, Beziehungen zu Gleichaltrigen werden wichtiger. Jugendliche beginnen, sich von den Eltern zu lösen und herauszufinden, wer sie eigentlich selbst sind.


Kurz gesagt:

Das Pubertier ist auf dem Weg, ein eigenständiger Mensch zu werden.

Und dieser Weg ist manchmal ziemlich holprig.


Für Eltern bedeutet Pubertät vor allem eines:


Viele Dinge sind plötzlich nicht mehr so kontrollierbar wie früher, Regeln werden hinterfragt, Diskussionen werden länger.

Und manches, was früher selbstverständlich war, wird plötzlich verhandelt.

Auch wenn Dich Vieles wütend macht, Manches Dir große Sorgen bereitet, weil Du auf eine gewisse Lebenserfahrung zugreifen kannst, Du manchmal allen Grund hättest, 3 Wochen beleidigt zu sein:


Jugendliche brauchen in der Pubertät weiterhin Orientierung und Begleitung und Erwachsene, die diese Stürme aushalten. 

Die Pädagogin Inke Hummel schreibt in ihrem neuen Buch "Redet nicht, räumt nicht auf, lieb ich trotzdem" (unbezahlte Empfehlung):

"Jugendliche mögen zwar gern allein sein, aber sie mögen nicht allein gelassen werden."

 

Dies scheint mir einer der wichtigsten Sätze zu sein, die wir uns als Eltern eines Pubertiers verinnerlichen sollten. Gerade dann, wenn wir unsicher sind, wie viel wir uns einmischen sollen, wann wir etwas ansprechen sollten und wann wir es besser gut sein lassen. Und auch dann, wenn wir immer wieder weggestoßen werden.


Denn hinter dem Wunsch nach Abstand steckt oft gleichzeitig das Bedürfnis nach Halt.

Nach Eltern, die weiterhin da sind. Die Orientierung geben auch wenn diese gerade nicht besonders begeistert empfangen wird.

Und diese Orientierung ist eine andere als die Orientierung, die wir unserem 6jährigen Kind gegeben haben. Jugendliche brauchen sie in einer Form, die ihre wachsende Selbstständigkeit respektiert.


Oder anders gesagt:


Das Pubertier braucht keinen Dompteur.

Vielleicht ist das die wichtigste Veränderung in der artgerechten Haltung von Pubertieren:


Wir halten sie nicht mehr fest.

Aber wir bleiben in ihrer Nähe.


Wir entscheiden nicht mehr alles für sie.

Aber wir bleiben ansprechbar.


Wir lassen sie ihre Wege ausprobieren.

Und wir bleiben gleichzeitig der Ort, zu dem sie zurückkommen können.



Ein paar hilfreiche Sätze dafür:

  • „Wenn du gerade keine Lust zu reden hast, ist das okay. Ich bin trotzdem hier.“

  • "Ich möchte morgen nochmal in Ruhe mit dir darüber reden."

  • „Du darfst deine eigenen Entscheidungen treffen und wenn du unsicher bist, können wir gemeinsam draufschauen.“

  • „Ich finde die Idee nicht gut, aber ich akzeptiere es, wenn du das so machen willst."

  • "Ich interessiere mich für das, was Dich beschäftigt.“

  • Wir sehen das vielleicht gerade etwas unterschiedlich, aber mir ist wichtig zu verstehen, was dir daran so viel bedeutet.“


So eigenwillig Pubertiere manchmal wirken, sie haben einen ziemlich guten Instinkt dafür, wo ihr Zuhause ist.


Irgendwann, meist völlig überraschend, taucht das Pubertier wieder aus seinem Bau auf, setzt sich an den Küchentisch und erzählt plötzlich etwas aus seinem Leben. Ganz freiwillig.

Dann sitzt man da, hört zu und denkt sich vielleicht: "Ach ja. Es ist immer noch mein Kind. Nur eben ein bisschen größer geworden."

 

Falls Du gerade mittendrin steckst, dann weißt Du wahrscheinlich: In der Theorie klingt vieles leichter als im Alltag. Zwischen Schule, Medienzeit, Diskussionen, Türenknallen und den eigenen Ansprüchen an sich selbst kann die Zeit mit einem Pubertier ganz schön herausfordernd sein.


In meiner Beratung begleite ich viele Mütter genau in dieser Phase.

Gerade in der Pubertät hilft oft kein perfekter Plan, sondern ein klarer Blick auf das, was Dein Kind und Deine Familie gerade wirklich brauchen.


Wenn Du das Gefühl hast, dass ein Gespräch gerade guttun würde, melde Dich gerne bei mir.


Mutter im Gespräch mit jugendlichem Kind während der Pubertät

 
 
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