Wann gute Vorsätze wirklich funktionieren
- Kristin Frank

- 16. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Erinnerst Du Dich, dass ich schon öfter darüber gesprochen habe, dass ich kein Fan von typischen "Neujahrsvorsätzen" bin?
Nicht, weil ich Veränderungen und gute Vorsätze grundsätzlich ablehne, ganz im Gegenteil. Sondern weil der Jahreswechsel oft so tut, als müssten wir plötzlich ein ganz anderer Mensch werden. Ab dem 1. Januar. Am besten sofort. Und bitte konsequent.
Doch Vorsätze haben wir eigentlich das ganze Jahr über, oder?
"Ich sollte mich mehr bewegen"
"Ich möchte mich gesünder ernähren"
"Ich sollte abnehmen"
"Ich will im Job etwas verändern"
"Ich müsste dringend ausmisten"
Die Liste ließe sich wahrschenlich endlos fortsetzen.
Und genauso endlos ist meist auch die Liste der guten Gründe, warum es jetzt gerade nicht passt.
Die spannendere Frage ist also nicht, ob wir Vorsätze haben, sondern:
Wann wird aus einem guten Vorsatz auch wirklich Realität? Wann funktioniert ein guter Vorsatz wirklich?
Studien zufolge passiert dies, wenn wir einen Vorsatz in eine Gewohnheit, eine Routine, umwandeln. Unser Gehirn liebt Routinen, da es dabei auf Autopilot stellen kann und nicht so viel arbeiten muss. Der Mensch ist schließlich bequem ;-).
Und genau da liegt der Hund begraben: Denn wenn wir etwas Neues integrieren wollen und es läuft einfach so gar nicht, dann stellen wir es schnell wieder ab. Passt nicht in unseren Alltag, ist zu anstrengend, zu unbequem, zu aufwendig.
Philippa Lally und ihr Team vom University College London fanden heraus, dass unser Autopilot im Durchschnitt nach 66 Tagen die Kontrolle übernimmt. Die Automatisierung unserer Routinen, so Lally, dauert in absoluten Zahlen zwischen 18 und 254 Tagen. Es kann also ganz schön zäh werden mit der Umstellung von Essgewohnheiten usw.
Wenn es Dir also schwerfällt dranzubleiben, liegt das oft an der Art, wie Veränderung funktioniert.
Die 5 häufigsten Fehler bei Vorsätzen und warum sie so menschlich sind
Vielleicht erkennst Du Dich hier wieder?
Wir wollen zu viel auf einmal
Ab jetzt jeden Tag Sport, gesünder essen, früher ins Bett, gelassener sein. Unser Alltag macht da oft schneller einen Strich durch die Rechnung, als wir schauen können.
Wir starten, weil wir Erwartungen von außen spüren
Aus einem „Ich sollte…“ wird selten eine nachhaltige Veränderung. Nur weil Tante Erna Dein kleines Bäuchlein beim Weihnachsessen missbilligend angeschaut hat, musst Du nicht abnehmen. Veränderung braucht Dein ganz persönliches Warum, das sich stimmig für Dich anfühlt.
Wir unterschätzen den Alltag
Termine, Kinder, Erschöpfung, Unvorhergesehenes- all das ist kein persönliches Scheitern, sondern schlicht Realität.
Wir verwechseln Motivation mit Verlässlichkeit
Motivation schwankt. Doch Disziplin und Durchhaltevermögen tragen uns durch die Phasen, in denen die Lust fehlt.
Wir hören nach einem Rückschritt komplett auf
Ein ausgelassener Tag wird innerlich schnell zu: „Jetzt ist eh alles egal.“ oder "Ich schaffe es ja doch nicht". Dabei ist genau hier der wichtigste Moment wieder einzusteigen.
Keiner dieser Punkte ist ein Charakterfehler. Sie zeigen nur, wie menschlich wir sind und wie wichtig es ist, Veränderung realistisch, wohlwollend und in kleinen Schritten anzugehen.
Wie ich mich selbst 2025 mit einem Vorsatz überrascht habe
Ich wollte schon lange mehr Bewegung in meinem Alltag und das Laufen ist eine für mich gut umsetzbare Sportart. Doch Du ahnst es: Es kam immer etwas dazwischen. Ich lief ein paar Wochen, dann wurde das Wetter schlecht, ich spürte Halskratzen, ein Kind musste irgendwohin gefahren werden … und schwupps war ich wieder raus.
"Plötzlich" im Mai 2025 fasste ich einen Entschluss: Jetzt wollte ich es "richtig" angehen. Keine Ausreden, keine Ausflüchte mehr. Ich engagierte meine Freundin Angelika, eine Ultra-Trailläuferin, als meinen persönlichen Coach und sie erstellte mir einen Trainingsplan und ein richtiges Laufprogramm. In einem Anflug von Größenwahn meldete ich mich gleich zu einem 10 Km Lauf im Juli an.
Spoiler: Ich schaffte den 10 km Lauf und laufe bis zum heutigen Tag 3x/Woche. Ohne Ausreden. Im Januar nahm ich an einem 17 km Winterlauf teil.
Was diesmal anders war
Ich hatte einen konkreten Plan, der auf meinen Alltag abgestimmt war, fest im Kalender, 3x/Woche Laufen
Ich lief nicht sofort 10 km am Stück, sondern startete ganz langsam mit kleinen Einheiten
Ich hatte ein Ziel, auf das ich hinarbeiten konnte
Ich hatte soziale Verbindlichkeit (habe auch allen Freund:innen bei jeder Gelegenheit davon erzählt) und Kontrolle (Angelika "überwachte" alle meine Läufe und gab mir Feedback)
Ich bemerkte von Mal zu Mal Fortschritte: der Puls wurde ruhiger, die Laufzeit erhöhte sich, die Kilometer wurden mehr.
Und genau das ist oft der Schlüssel, nicht nur beim Laufen, sondern bei jeder Veränderung:
Disziplin schlägt Motivation
Dranbleiben schlägt Perfektion
Kleine Schritte schlagen große Vorsätze
Egal, wann Du anfängst. Egal, wie holprig es sich anfühlt. Entscheidend ist nicht der perfekte Start, sondern dass Du wieder einsteigst, wenn Du rausgeflogen bist. Und dass Du weitermachst, auch wenn es mal unbequem wird.
Vielleicht ist dieser Januar für Dich kein Monat der großen Vorsätze.
Aber vielleicht einer für den ersten kleinen Schritt?!
Ich bin gespannt :-)
Wenn Du Dir Veränderung wünschst, die zu Deinem Alltag passt, nicht perfekt, sondern stimmig- ich begleite Dich als Mama systemisch und individuell. Mehr dazu findest du hier.




