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Zuhören- das unterschätzte Life Skill?

Ich bin der Meinung, es wird zu viel geredet! Jawoll!

Und das aus dem Munde von jemandem, dessen Beruf Reden ist?

Das hast Du Dich doch gerade gefragt, oder? Gib's zu! ;-)


Ja und nein: Einerseits besteht mein Beruf sehr viel aus Reden und andererseits viel mehr noch aus Zuhören.

Und ich finde, das Zuhören ist eine der am meisten unterschätzten sogenannten "Life Skills".  Eine Fähigkeit, die uns immer mehr abhanden zu kommen scheint.


Die Welt ist ganz schön laut: Überall wird geredet, diskutiert, beruflich werden wir gecoacht, wie wir am besten reden lernen, Rhetorikseminare boomen, in der Grundschule sollen 2. Klässler Referate halten und sich ans Reden vor anderen, ans Sich-Präsentieren gewöhnen. Ein allgemeines Credo scheint zu lauten: "Lerne, Dich zu äußern", "Vertritt Deine Meinung", "Beziehe Stellung", "Teile Dich mit", in den Sozialen Medien wird kommentiert, was das Zeug hält...Keine Frage, dies alles hat seine Berechtigung und es gibt gute Gründe, das Reden und das "Sich-Mitteilen" zu üben.


Und natürlich gute Gründe dafür, MITEINANDER zureden- genau das ist mein Punkt!


Ich stelle immer wieder fest, in privaten wie beruflichen Situationen: Viele Menschen tun sich sehr schwer mit dem Zuhören.

Warum ist das so? Warum scheint das Zuhören- vielleicht auch gerade heutzutage- eine solche Herausforderung zu sein?

 

  1. Wir erfahren Ablenkungen im Überfluss: Smartphones, soziale Medien, und eine ständige Informationsflut machen es schwer, sich auf Gesagtes zu konzentrieren.

  2. Unser eigener innerer Monolog: Wir denken oft darüber nach, was wir als nächstes sagen wollen, anstatt dem Sprecher volle Aufmerksamkeit zu schenken.

  3. Zeitmangel: In unserer hektischen Welt scheint es oft, als hätten wir keine Zeit, uns in einem Gespräch zu vertiefen.

 

"Solange man selbst redet, erfährt man nichts" 

Das hat Marie von Ebner-Eschenbach gesagt und um auch einmal


Goethe zitiert zu haben:


"Zu reden ist uns ein Bedürfnis, zuzuhören ist eine Kunst."

Beide Zitate erhalten meine volle Zustimmung.


Vielleicht hast Du schon ähnliche Situationen erlebt:


Du erzählst einer Lehrer-Kollegin davon, dass Dich einige Schüler:innen der Klasse 9a in letzter Zeit durch provokantes Verhalten sehr herausfordern. Sie verhalten sich Dir gegenüber respektlos, rufen rein und verhöhnen Dich, wenn Du sie ermahnst. Deine Kollegin reagiert mit: "Ach echt, bei mir sind die immer ganz zahm. Sie haben mir neulich sogar zu meinem Geburtstag einen Kuchen gebacken. Du musst einfach mal ein bisschen lockerer sein." 


oder


Du erzählst einem Freund etwas Persönliches von Dir und erhälst als "Antwort" eine ähnliche Geschichte, die ihm neulich widerfahren ist oder besser noch einem Bekannten, den Du wiederum nicht kennst und von dem er Dir nun ausführlichst berichtet. Möglicherweise wurdest Du zuvor in Deinen Schilderungen auch noch unterbrochen. 


Welche Gefühle bleiben bei Dir zurück?


Die Wahrscheinlichkeit, dass Du Dich in den beiden Beispielsituationen angenommen, gewertschätzt und gesehen fühlst, ist eher gering, möchte ich behaupten.


  • Wie wäre es gewesen, wenn Deine Lehrer-Kollegin gesagt hätte: "Ich kann mir vorstellen, dass dies eine sehr herausfordernde Situation für Dich ist"?

  • Was wäre anders gewesen, Dein Freund hätte Dir Zeit gegeben, Deine Geschichte zu Ende zu erzählen und dann noch ein paar interessierte Nachfragen gestellt: neugierig, offen, wertschätzend?

Oder wie wäre es generell, wenn...

  • Schüler:innen sich gegenseitig zuhörten und dadurch nicht die gleichen Fragen 3 Mal hintereinander stellen würden?

  • Dein Vorgesetzter, nachdem Du ihm von steigenden Kundenanforderungen und Erwartungen erzählt hast, zu Dir sagt: "Ich höre, dass die Kundenanforderungen wachsen, und ich schätze Ihre Anstrengungen, damit umzugehen. Lassen Sie uns überlegen, wie wir Ressourcen effizienter einsetzen können, um die steigende Nachfrage zu bewältigen."


Ja, Zuhören hat so viele Vorteile:


  • Empathie und Verbindung: Zuhören stärkt unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. Es bedeutet, die Emotionen, Ängste und Freuden des Anderen zu verstehen und dadurch eine tiefere Verbindung herzustellen. Wir gewinnen das Vertrauen unseres Gegenübers und unsere Beziehung wird vertieft.


  • Effektivere Kommunikation: Durch Zuhören können Missverständnisse vermieden werden, was zu klarerer und effektiverer Kommunikation und letzlich auch zu Zeitersparnis führt.



  • Problemlösung: Zuhören ermöglicht es, die Bedürfnisse und Perspektiven anderer besser zu verstehen. Dies kann zu kreativen Lösungen in den verschiedensten Situationen führen.

 

Sicherlich hast Du bereits vom "Aktiven Zuhören" gehört– einem Werkzeug, das alle, die sich schon einmal mit Pädagogik, Psychologie oder Kommunikation beschäftigt haben, kennen sollten. Heute möchte ich Dir einige Elemente daraus näherbringen. Denn es gibt einfache Dinge, die jede:r beachten kann, um Beziehungen zu verbessern und sich wirklich verstanden, gehört und gesehen zu fühlen. Kommunikation ist schließlich stets ein wechselseitiger Prozess.


Hier meine 3 Tipps:


1. Widerstehe aktiv dem Impuls, sofort auf alles Gesagte zu reagieren. Gönne Dir eine (Denk-) Pause, antworte mit zustimmendem "hmhm", Kopfnicken, halte Blickkontakt.


2. Frage interessiert und neugierig nach: "Wie meinst Du das?", "Als Du gesagt hast....was/wie...?.", "Das muss schwierig für Dich sein" , "Was meinst Du mit...?" Nutze dabei auch Formulierungen, die Dein Gegenüber gebraucht hat.


3. Bleibe mit 100% Deiner Aufmerksamkeit beim Anderen und vermeide es, als "Antwort" von Dir zu sprechen oder eine ähnliche Geschichte von Dir zu erzählen und so das Thema zu wechseln.


Meine Überzegug ist es, dass diese kleinen "Zuhör-Hacks" unsere Welt ein klein wenig besser und die Menschen ein klein wenig zufriedener machen können.


Und ich finde: Anstelle von noch mehr Rhetorikseminaren wären doch "Zuhörseminare" mal eine gute Idee, oder?!

Vielleicht bin ich die Erste, die sowas irgendwann anbietet?


Wie steht es mit Dir: Sprichst du noch oder lauschst du schon? ;-)








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