Selbstfürsorge für Mütter im Alltag: Das Problem ist meist nicht die Zeit
- 22. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Juni
Vor einiger Zeit besuchte ich mit zwei Freundinnen einen Töpferkurs – einen dreistündigen Einsteiger-Workshop mit Drehscheibe und allem drum und dran.
Auf der Autofahrt dorthin sinnierten wir noch darüber, was wir wohl töpfern würden: einen minimalistischen Krug mit tropffreiem Ausguss, eine Salatschüssel im Stil von Motel a Miio oder ein Pflanzgefäß. Vor Ort wurden wir sehr schnell auf den Boden der Tatsachen zurückkatapultiert.
Es lief alles ab wie im Film. Und damit meine ich nicht Ghost ;-) Eher wie eine amerikanische Slapstick-Komödie: fliegende Tonstücke, fluchende Teilnehmende, auf der Scheibe eiernde Schälchen und mühevoll gedrehte Becher, die im letzten Moment durch eine unbedachte Bewegung doch noch in sich zusammenfielen. Der Ton machte sowieso, was er wollte. Nicht, was wir wollten.
Und doch: Am Ende konnte jede von uns fünf selbst gedrehte Stücke vorzeigen. Keine tropffreien Krüge – aber kleine Schälchen, Becher mit leicht ungleichem Rand, Eierbecher, Kerzenständer. Was waren wir stolz. Drei Stunden richtig harte körperliche Arbeit lagen hinter uns. Drücken, ziehen, neu ansetzen, fluchen, Tonstücke wieder aufsammeln, wegwerfen wenn gar nichts mehr zu retten war, höchst konzentriert das fertige Stück von der Platte heben, damit nicht auf den letzten Zentimetern noch alles schiefgeht.
Schon eine einzige Unkonzentriertheit, ein kurzes Abschweifen der Gedanken – an der Drehscheibe wird es sofort bestraft.
Wann hat man das noch – wirklich präsent sein
Natürlich wäre auch in vielen anderen Situationen etwas mehr Konzentration sehr hilfreich. Aber oft sind wir gedanklich schon beim Nächsten: bei der Einkaufsliste, bei der Nachricht, auf die wir noch antworten sollten, bei dem Termin morgen. Selbst dann, wenn wir eigentlich gerade Pause hätten, Sport machen, mit jemandem reden oder einfach nur kurz dasitzen.
Vielleicht ist auch das ein Grund, warum uns solche analogen Dinge inzwischen fast ungewohnt vorkommen: Weil sie etwas verlangen, was im Alltag selten geworden ist. Dass wir wirklich da sind. Präsent mit all unseren Sinnen und unserem ganzen Körper. Mit dem, was gerade ist.
Und vielleicht spüren wir deshalb oft so deutlich, dass uns genau das guttäte: wieder mehr rausgehen, echte Begegnungen haben, etwas tun, das keinen Zweck erfüllen muss, ein altes Hobby wieder aufnehmen, sich irgendwo anmelden – obwohl man denkt: "Eigentlich habe ich gar keine Zeit."
Haben wir nicht erstaunlich viel Zeit dafür, anderen beim Leben zuzusehen? Zu scrollen. Zu schauen, wer gerade wo frühstückt, joggt, renoviert, verreist, aufgeräumt lebt oder in beruhigendem Licht seine Morgenroutine erklärt.
Während wir uns dann selbst einreden:
"Ach, jetzt lohnt es sich auch nicht mehr mit dem Sport."
"Jetzt wird es gleich dunkel." "Lieber morgen."
"Heute bin ich zu müde."
"Es ist grade zu viel los."
Wir wissen längst, was uns guttäte
Die meisten Menschen wissen ziemlich genau, was ihnen guttäte. Ziemlich konkret sogar.
Das ist das Merkwürdige an der Sache mit der Selbstfürsorge im Mütteralltag: Es fehlt selten an Ideen. Es fehlt an dem Moment, in dem man einfach losgeht.
Es muss ja nicht unbedingt ein Töpferkurs sein. Diesbezüglich blieben bei mir zu Hause die Kommentare nicht aus: eine Midlife Crisis wurde mir bescheinigt, begleitet von mehrfach angestimmtem "Unchained Melody".
Lass die anderen reden. Vielleicht sagt das tatsächlich mehr über sie aus als über uns.
Such Dir etwas, bei dem Du für eine Weile vergisst, aufs Handy zu schauen. Etwas, das Dir echte Begegnungen ermöglicht, Dich komplett fordert und Dir am Ende das Gefühl gibt: "Das hat sich richtig gelohnt."
Du musst "nur" losgehen
Eigentlich ist es erstaunlich einfach.
Du musst "nur" losgehen. Auch wenn der Krug am Ende schief wird.
Auszeit als Mutter bedeutet nicht, dass alles perfekt organisiert sein muss, bevor es anfangen darf. Zeit für sich als Mutter entsteht nicht von alleine – Du nimmst sie Dir. Mit all der Schieflage und Ungewissheit, die dazugehört.
Wenn Du magst, schreib mir in die Kommentare: Was wäre Dein Töpferkurs – die Sache, die Du Dir schon länger vornimmst? Ich lese gerne mit.
Und wenn Du merkst, dass hinter dem "Ich weiß schon, was mir guttäte" noch etwas steckt, das schwerer wiegt als ein voller Kalender, dann lass uns das gemeinsam anschauen. In einem kostenlosen Kennenlerngespräch finden wir heraus, was Du gerade wirklich brauchst.
P.S.: In 4 Wochen ist Glasurkurs ;-)




